Schon gespielt? – Stacking

StackingKeyArtFinal_crDouble Fine, die Spieleschmiede von Computerspiellegende Tim Schafer, hat mit Stacking ein absolut bezauberndes Puzzle-Adventure veröffentlicht, das seinesgleichen sucht.

Die Rahmenhandlung

stacking09Charlie Blackmore ist ein kleiner Junge, dessen Familie von einem fiesen Industriellen („The Baron“) versklavt wurde. Er selbst ist noch zu klein für harte Arbeit und bleibt deshalb verschont. Also macht er sich auf, seine Familie zu befreien und so ganz nebenbei auch noch die allgegenwärtige Kinderarbeit zu beenden.
Wenn’s weiter nichts ist…

 

Die Welt

stacking12Stacking spielt in einer comicartigen Steampunkwelt, die durchweg von Matrjoschka-Figuren bevölkert ist. Ihr wisst schon, diese russischen Ineinandersteckpuppen. „Bevölkert“ trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Überall stehen, sitzen, fliegen und wuseln die unterschiedlichsten Figuren herum und erzeugen so das Feeling einer vollständig lebendigen Welt. Die naturgegebene Unbeweglichkeit von Matrjoschkas wird dabei durch eine tolle Kinematik  wettgemacht. Schwer zu beschreiben, das Video am Ende des Artikels gibt euch vielleicht eine ungefähre Vorstellung davon.

stacking07Die ganze Welt ist der Größe von Matrjoschka-Figuren angepasst, ihr spielt also in einer Miniaturwelt. Das fiel mir zunächst gar nicht auf, aber je länger ich spielte, desto genauer guckte ich hin und entdeckte dabei diverse kuriose Details. Die Zeitungsjungen haben Taschen aus Streichholzschachteln, Rennbahnbegrenzungen entpuppen sich als Golfbälle und manche Wand ist aus Spielklötzen errichtet.

 

Das Spiel

stacking11Um Charlies Familie aus den Klauen des Barons zu befreien, müssen diverse Rätsel gelöst und Aufgaben erledigt werden. Der Clou dabei: ihr könnt andere Figuren „übernehmen“, indem ihr von hinten in sie „hineinspringt“ (Messiah lässt grüßen). Dabei gilt es zu beachten, dass ihr jeweils nur die nächste Figurengröße übernehmen könnt, man muss sich deshalb manchmal erst durch verschiedene Figuren hangeln, um an die gewünschte zu gelangen. Jede Figur hat eine Spezialfähigkeit, die ihr euch so zunutze machen könnt (höre ich da jemand Scrapland denken?). Es gibt dicke Figuren, die einen ordentlichen Furz ablassen, Mechaniker, die mit dem Schraubenschlüssel hantieren, Damen, die mit ihrer Handtasche um sich schlagen und kleine Kinder, die Kekse kotzen.

stacking06Wozu alle diese Fähigkeiten gebraucht werden wird nicht verraten, denn der größte Spaß an Stacking ist das Herumexperimentieren. Ein kleines Beispiel möchte ich euch dennoch nicht vorenthalten. Mal angenommen, ihr müsst in einen exklusiven Nachtclub, um euch dort mit jemandem zu treffen. Der Türsteher wimmelt euch natürlich erst mal ab. Also flugs in ein größeres Kind, einen Jugendlichen und anschließend einen Erwachsenen gehüpft und nochmal beim Türsteher vorgesprochen. Der lässt euch leider immer noch nicht rein („nur geladene Gäste“). Den Türsteher selbst könnt ihr nicht übernehmen, da er auf der Hut ist und euch nicht aus den Augen lässt. Hm. Ihr bemerkt eine scharfe Blondine, die in der Nähe herumstromert. Flugs hineingesprungen stellt ihr fest, dass es sich um Witwe Keusch handelt, deren Spezialtalent das Bezirzen von Männern ist. Ihr macht euch also an den Türsteher ran, welcher vor Liebe blind und dabei unvorsichtig wird. Bedauernd verlasst ihr Witwe Keusch, übernehmt den liebestollen Türsteher und könnt die Tür dann selber öffnen.

stacking04Jede Aufgabe lässt sich auf unterschiedliche Arten lösen und das Spiel belohnt euch dafür, sämtliche Lösungen zu finden. Der schräge Humor der Spielwelt verlangt dabei zum Teil erhebliches Um-die-Ecke-Denken, bei genauerem Hinsehen fiel mir jedoch auf, dass das Spiel eigentlich immer optische Hinweise gibt. Wenn ihr mal völlig aufgeschmissen seid, könnt ihr euch jederzeit Tipps geben lassen, die euch auf die richtige Fährte helfen. Neben der Hauptquest gibt es zahlreiche Nebenaufgaben („Hi-Jinks“), zum Beispiel sollt ihr 10 Figuren eine Schelle verpassen oder mit 5 Kindern Fangen spielen. Außerdem gibt es in jedem Level 24 einzigartige Figuren, die es zu übernehmen gilt und als wäre das nicht genug können die hoffnungslos Süchtigen unter euch auch noch diverse Achievements einheimsen. Ihr seht: es gibt viel zu tun.

Die Grafik

stacking05Stacking besticht durch eine absolut liebevolle Grafik mit viel Spaß am Detail. Das Retro-Flair wird durch gedeckte Sepiatöne erzeugt, die Cutscenes kommen im Stummfilmlook daher inklusive Fussel und Kratzer auf dem Film und der gesamte Bildschirm dunkelt zu den Rändern hin ab, wie man es aus den Anfängen der Kinematographie kennt. Letzteres führte bei mir nach einiger Zeit zu leichter Klaustrophobie und ich war froh, dass sich dieser Effekt deaktivieren lässt. Die durchgehend eingesetzte Tiefenunschärfe sorgt für das Gefühl, in einer richtig großen Welt unterwegs zu sein, die Texturen sind mit Hingebung zusammengepixelt und die Effekte sind zwar spärlich eingesetzt, wirken dadurch aber fast noch intensiver.

Der Ton

stacking03Der Soundtrack zu Stacking besteht eigentlich ausschließlich aus klassischer Musik. Chopin habe ich sofort erkannt, weil der bei mir tagsüber gerade öfters in der Playlist steckt, bei den anderen Tracks bin ich mir noch nicht so sicher, meine aber auch Bach gehört zu haben. Die Stücke sind zwar sehr sorgfältig zu den jeweiligen Szenen ausgewählt, nerven leider nach einigen Stunden trotzdem leicht. Stacking hat genau gar keine Sprachausgabe, was zwar einerseits prima zu der gesamten Stummfilmatmosphäre passt. Andererseits werden Anglophobe jedoch aufgeschmissen sein, denn die Texte sind nicht lokalisiert und der auf Englisch erzählten Story sollte man schon folgen können, um das Spiel zu meistern.

Fazit

stacking01Kaufen! Ich hatte schon lange keinen solchen Spaß mehr mit einem Computerspiel. Die oftmals knackigen Rätsel halten das Gehirn auf Trab, die Musik schmiegt sich lieblich in eure Ohren und der durchgeknallte Double-Fine-Humor bringt euch immer wieder zum Grinsen. Erwähnte ich schon, dass es neben der Hauptstory noch eine komplette zweite Geschichte namens „The Lost Hobo King“ gibt, die ebenfalls durchgespielt werden will? Nicht? Jetzt aber.

Stacking ist noch bis zum 21. Mai im Rahmen des Humble Bundle erhältlich, d.h. ihr müsst nur soviel bezahlen wie ihr wollt und bekommt dafür eine komplett DRM- und Steam-freie Version des Spiels für PC, Mac und Linux. Und 7 weitere Double-Fine-Spiele obendrauf. Besser geht’s nicht.

Ich hatte ein Video angekündigt. Bitte. Aber beklagt euch nachher nicht über Spoiler.

Update: wenn das Spiel im 4. Level (Zug) crasht, sobald man in den Raum mit dem Eisschwan kommt, hilft es, vorher aus allen gestackten Figuren rauszuhüpfen und den Raum als Charlie BLackmore zu betreten. Es folgt eine Cutscene, die das Spiel sonst abrauchen lässt. Gefunden hier.

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