Payday 2 mutiert mit der Zeit zu einer abgefahrenen Actionorgie

Wieder eines dieser Spiele, die man sich mal in der Steam Weekend-Madness kauft und es dann später dabei ertappt, wie es eigentlich nur auf der Festplatte vergammelt. Bevor ich angefangen habe, Payday 2 wirklich zu zocken, hatte ich mich eines schönen Tages durch meine Bibliothek gewühlt, nur um zu bemerken, dass die „Bankraubsimulation“ ja erst ungefähr eine halbe Stunde von mir gezockt wurde. Wahrscheinlich hatte ich diese halbe Stunde beim anzocken auch eher damit verbracht, mich darüber zu ärgern, warum es nicht ein bisschen leichter ist, unerkannt mit Stealth eine Bank hoch zu nehmen. Payday 2 ist wieder eines dieser Videospiele, bei denen man sich wohl oder übel zunächst einmal durch den Anfang kämpfen muss. Das gilt vor allem, wenn man keine eigene Crew hinter sich hat, deren Mitglieder einen wohl möglich an die Hand nehmen.

Mit den Leveln, dem Erkunden des Fertigkeitenbaumes und der sogenannten „Perk-Decks“, dam Durchstöbern und einlesen in verschiedene Builds und natürlich das Abschließen der Aufträge führt uns dann aber fix in die richtige Richtung und Payday 2 beginnt eine äußert abgefahrene Reise zu werden.

Kein Robin Hood in der Verbrechercrew

Im normalen Leben stehe ich dem Kapitalismus äußert kritisch gegenüber. Um es vereinfacht auszudrücken: ich finde, dass der Reichtum so richtig schön ungerecht verteilt ist. Jetzt sitze ich vor meinem Computer, bin dabei die ersten Schritte in Payday 2 zu gehen und habe natürlich ein Ideal vor Augen. Ein Ideal, in dem ich meine eigene Haltung ins Game hineininterpretieren wollte. Ich sah meinen Teil darin, ein Robin Hood der Moderne zu sein, der es den Besitzenden nimmt und es den „armen“ gibt. So verkürzt es auch klingen mag. Das es aber mit dem fortschreitenden Wissen über die Akteure in Payday 2 dann keinen meiner idealen Robin Hoods geben kann und wird, sollte ich früh genug merken.

Warum nicht auch mal Meth kochen?

Wie es so oft ist, beschäftigt man sich nicht allzu sehr mit den Charakteren, wenn man viel zu sehr darin vertieft ist, das eigene Ideal zunächst mit einfließen zu lassen. Bringe keine Messer mit zum Job, töte keine Zivilisten, putze dir die Zähne vorm ins Bett gehen – all die schönen pazifistischen Dinge gehen spätestens dann verloren, wenn dein Crewkollege einen Zivilisten beim wegrennen in den Hinterkopf schießt, weil sonst der Alarm los geht. Das kostet zwar „Cleanerkosten“, aber die verhängten Strafen sind weitaus geringer als das, was im Tresor auf unsere Gruppe wartet. Vor allem ist es, wenn es schlecht läuft, in den Raubzügen manchmal gar nicht anders möglich, sich davor zu bewahren, den Alarm auszulösen. Die Frage bleibt, was Robin Hood wohl mit Petzen anstellen würde?

An anderer Stelle sehen wir irgendwann die kleinen Biographien der Crewmitglieder, die alle von Kriminalität geprägt sind, ohne sie dabei komplett unsympathisch zu machen. Die vier Hauptakteure im zweiten Teil von Payday wären dann:

  • Chains, ein kettenrauchendes, amerikanisches Mastermind
  • Houston, ein Schwindler der partout keinen normalen Job halten kann
  • Chains, ein Ex-Soldat mit schwerer Kindheit, die er unter anderem in verschiedenen Besserungsanstalten verbringen durfte
  • Wolf, ein Schwede der nach dem Crash im Jahre 2000 loszog, um eine Karriere als Verbrecher zu verfolgen

Während die Vier vor allem verbindet, dass jedem mal mehr oder weniger harte Scheiße passiert ist, sind sie jedoch so weit vom klassischen Robin Hood entfernt, dass man den Shit gar nicht mehr mit antikapitalistischen Lobgesängen aufwerten könnte – außer vielleicht, dass sie das Establishment und die Unterwelt die ganze Zeit gekonnt gegeneinander ausspielen. Dazu kommt dann auch noch was die Crew so anstellt, um an Asche zu kommen.

Bankraub, Meth, Kokain, Waffenhandel…

Während mein Ideal eines Bankräubers irgendwann auf der Strecke blieb, macht es umso mehr Fun als gewitzter Krimineller durch die verschiedenen Aufträge zu zocken und dabei immer mal wieder etwas dazu zu lernen.

In Payday 2 gibt es eine gute Variation von Missions- und Nebenzielen, die meine Freundin schon öfters mal zum schmunzeln gebracht haben. Vor allem, wenn sie mich fragte, worum es in der jeweiligen Mission eigentlich geht. „Wir kochen Meth in einem abgelegenen Haus auf dem Land“, oder „Wir stecken einen Stapel Geld in Brand, um das Mendoza Kartel anzupissen“ sind mal zwei witzige Beispiele. Neben den normalen Raubaktionen, in denen wir meistens Geld oder Gold klauen und Schließfächer ausräumen, müssen wir woanders z.B. dicke Waffen aus einem Zug klauen, können eine Samurai-Rüstung aus einem Warenhaus mitgehen lassen, hängen einem Typen den Handel mit Kokain an, oder schlagen in einem Einkaufszentrum alles kurz und klein.

Mit den verschiedenen Updates kommen dann auch immer wieder neue Missionen hinzu. So sabotieren wir ein Alesso-Konzert von der Schaltzentrale der Konzerthalle aus, bringen einen besoffenen Piloten von einer Absturzstelle weg und klauen nebenbei Koks oder fahren einige teure Sprengköpfe auf einem Bahnhof mit einem Muscle-Car (oder mit Gabelstaplern) zum Missionsziel.

...oder einen Haufen Kohle in Brand stecken?

Skills verteilen um höhere Schwierigkeitsgrade zu meistern

Im Prinzip hat man schnell so gut wie alle Missionen schon einmal mindestens auf dem normalen Schwierigkeitsgrad absolviert und kennt den Kram zumindest auf „laut“ (man muss ja nicht immer alles auf die leise Tour machen) und die Abläufe prägt man sich ein.

Mit steigendem Level seines Charakters, kann man dann aber den Schwierigkeitsgrad schon mal anziehen. Um die größere Flut an Gegnern, oder die höhere Aufmerksamkeit der NPCs auszugleichen verteilen wir Fertigkeitspunkte in unserem Skilltree. Am Ende warten runde 120 Skillpunkte drauf, in fünf Skilltrees (Mastermind, Enforcer, Technician, Ghost und Fugitive) vergeben zu werden. Außerdem können wir uns für eines der Perk-Decks entscheiden, die mit weiteren netten „Buffs“ auf uns warten. Die Skillstrees unterscheiden sich gut und greifen auch schön in einander. Mit dem Fortschreiten unseres Skilltrees können wir dann zum Beispiel schneller Nachladen, besser Einschüchtern, mehr Munition tragen, leiser Killen oder Kugeln besser ausweichen. Wieder mal sind wir gut beraten, wenn wir uns zum Thema Skills in den Foren und Wikis noch mal schnell schlau lesen.

Payday 2 Überfall auf einen Transport

Mit den höheren Leveln wird Payday 2 dann abgefahren

Die meiste Zeit erledigen wir unsere Jobs entweder im Stealth, oder halt so laut und brutal es irgendwie möglich ist. Um trotz unser hoffentlich gut verteilten Skills die immer fieser werdenden Polizisten abwehren zu können, basteln wir uns ein Arsenal an exotischen Wummen und Ausrüstungsgegenständen zusammen. Wo wir am Anfang unserer Karriere als Verbrecher und Bankräuber noch von einem Schalldämpfer für unsere schwache, alte Pistole träumen, räumen wir später schon mit Explosivmunition für unsere Automatikshotgun auf. Auf dem Bildschirm spielt sich ein Feuerwerk ab, und man zieht im Augenwinkel, dass unser Kollege ja glücklicher Weise seinen Bogen und mit Dynamit versehene Pfeile mit zum Bankraub gebracht hat, um dem Polizisten im Bombenanzug den Garaus zu machen.

Jaja, man weiß sich zur Wehr zu setzen – vor allem ist es manchmal ganz gut, wenn man ein möglichst großes Scharfschützengewehr mit zum Heist bringt, oder sich mit dem Granat- oder Raketenwerfer den Weg frei schießt. Das Zielen und das Feeling unserer Wummen können wir aktiv durch die Nutzung von unterschiedlichen, kaufbaren Waffenteilen beeinflussen. Eigentlich kann man alles Erdenkliche an die Knarren anbauen, was meistens eher nützlich ist und einen großen Teil des Games darstellt. Allein das Experimentieren mit den verschiedenen Teilen macht einen Heidenspaß.

payday2

Zocken bis…ja bis wann denn?

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Payday 2 nur solang zu zocken, bis ich die Grinch-Maske habe, doch entdecke ich immer und immer mehr das Spiel noch ein bisschen weiter zu pushen. Die Community wirft so einige Mods ab, die gezockt werden wollen und uns z.B. erweiterte Infos auf dem Hud zeigen, Leichen nicht verschwinden lassen, bessere Effekte einbringen oder die Sounds fetter klingen zu lassen. Erfreulich für den Spielspaß ist, dass der Entwickler Overkill immer wieder neue (günstige) DLCs entwickelt, die recht qualitativ hochwertigen Content und Frische ins Spiel bringen.

Ich persönlich werde jedenfalls noch bis mindestens dem Highlevel am Ball bleiben oder halt bis ich endlich dieses Sieh-Mehr-Visier frei gezockt habe. Okay, wahrscheinlich werde ich auch danach noch irgendetwas finden, was mich dazu veranlagt weiter zu machen.

Das .gif oben ist übrigens aus der Payday 2 Parodie von Gonzossm auf Youtube :)

2 Gedanken zu „Payday 2 mutiert mit der Zeit zu einer abgefahrenen Actionorgie

  1. Also ich zocke payday nur alleine und es macht ein mega Spaß ist bei manchen Aufträgen dadurch natürlich unmöglich sie auf stealth zu schaffen aber das paßt schon. Meine Frage jetzt bei manchen perk Decks steht sie sind nicht Stapelbar, wie kann man den dann die anderen stapeln?

    1. Hey Henker!

      Ja einzelne „Crew-Perks“ sind nicht stapelbar, das heißt ganz einfach, dass wenn zwei oder mehr Mitglieder der Crew das gleiche Perk-Deck benutzen, gibt es nur einmal den Bonus. „Testudo“ aus dem Crew-Chief Perkdeck ist einer dieser Boni, der aber nur einmal zählt, auch wenn mehrere Spieler den Bonus aktiviert haben. Nicht stapelbar bedeutet also, dass ein Bonus aus einem Perkdeck nur einmal zählt und sie sich nicht addieren wenn mehrere Spieler das Deck benutzen.

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